Das Ballonprojekt ist soweit vorbereitet und dann darf man sich auch gerne wieder weiteren und anderen interessanten Dingen widmen – zum Beispiel eben Meshtastic. Genau genommen nicht Neues; Uli hatte mich vor Wochen schon einmal darauf angesprochen und Timo – als NichtFunkamateur – hat es einfach in der stillen Kammer aufgebaut. Also mache ich mich auch daran und es war einfacher als gedacht.
Was ist Meshtastic?
Meshtastic ist eine Open-Source-Firmware für kleine, günstige LoRa-Funkmodule, mit der sich dezentrale Mesh-Netzwerke aufbauen lassen – ganz ohne Mobilfunk, Internet oder zentrale Infrastruktur. Jedes Gerät im Netz kann Nachrichten und Positionsdaten empfangen, anzeigen und automatisch an andere Geräte weiterleiten (Store-and-Forward-Prinzip). So entsteht mit wenigen Geräten schnell eine Reichweite von mehreren Kilometern, in Reihenschaltung über Hügel und Täler hinweg sogar deutlich mehr.
Die Grundidee: Text-Chat, GPS-Positionsaustausch und einfache Sensordaten – batteriesparend, robust und unabhängig von bestehenden Netzen.
Technischer Hintergrund
Meshtastic basiert auf LoRa (Long Range), einem Funkverfahren mit sehr schmalbandiger, aber extrem störfester Modulation (Chirp Spread Spectrum). Damit lassen sich auch bei geringer Sendeleistung erstaunliche Reichweiten erzielen – auf Kosten der Datenrate, die bewusst niedrig gehalten ist. Das Mesh-Routing sorgt dafür, dass Nachrichten automatisch über mehrere Hops weitergereicht werden, bis sie ihr Ziel erreichen.
In Deutschland läuft Meshtastic im lizenzfreien ISM-Band bei 868 MHz. Für Funkamateure interessant: Die Firmware ist quelloffen, das Protokoll gut dokumentiert, und es gibt bereits Ansätze, Meshtastic auch im Amateurfunkband mit höherer Leistung und eigenem Rufzeichen zu betreiben – ein Feld, das sich für Experimente geradezu anbietet.
Mein Aufbau: LILYGO T-LoRa V2.1-1.6
Ich habe für den Einstieg einen LILYGO T-LoRa V2.1-1.6 für das 868-MHz-Band aufgebaut und mit der aktuellen Meshtastic-Firmware geflasht. Das Board vereint ESP32, LoRa-Transceiver und ein kleines OLED-Display auf einer sehr kompakten Platine – ideal, um sich unkompliziert und günstig in die Materie einzuarbeiten.
Der Flash-Vorgang ist dank Web-Flasher – https://flash.meshtastic.org/ – und guter Dokumentation im Meshtastic-Projekt in wenigen Minuten erledigt. Über die zugehörige App (Android/iOS) lässt sich das Gerät dann per Bluetooth konfigurieren – Kanäle, Verschlüsselung, Sendeleistung, Positionsfreigabe und vieles mehr.
Warum ist das auch für uns als Funkamateure relevant ist
Meshtastic passt gut zu unseren Interessen:
- Experimentierfreude: Open-Source-Hard- und Software, quelloffenes Protokoll, viel Raum zum Selberbauen und Optimieren (Antennen, Gehäuse, Reichweitentests).
- Digitale Betriebsarten: Wer sich schon mit APRS, LoRa-APRS oder Packet Radio beschäftigt hat, findet bei Meshtastic viele bekannte Konzepte in neuem Gewand.
- Praxisnähe: Reichweitentests, Mesh-Topologien und Antennenexperimente lassen sich mit überschaubarem Aufwand und Budget selbst durchführen.
Der Bezug zum Katastrophenschutz
Ein weiterer Aspekt, der Meshtastic besonders interessant macht: Da das Netzwerk komplett ohne Mobilfunk- oder Internetinfrastruktur funktioniert, kann es in Krisensituationen – etwa bei Stromausfällen, Naturkatastrophen oder überlasteten Mobilfunknetzen – eine wichtige Kommunikationsalternative sein. Kleine, akkubetriebene Knoten lassen sich schnell verteilen und bilden binnen kurzer Zeit ein funktionierendes Nachrichtennetz für Lagemeldungen, Standortaustausch und einfache Textkommunikation.
Das deckt sich mit einer Kernaufgabe des Amateurfunks: im Notfall Kommunikationswege bereitzustellen, wenn die gewohnte Infrastruktur ausfällt. Meshtastic ist dafür kein Ersatz für den klassischen Amateurfunk, ergänzt ihn aber um eine niedrigschwellige, leicht zu verteilende Lösung für Kurznachrichten und Positionsdaten.
Mit überschaubarem Aufwand – ein LILYGO-Board und ein Akku – lässt sich ein eigener Meshtastic-Knoten aufbauen, der sofort einsatzbereit ist. Für uns als Ortsverband ist das Thema aus zwei Gründen spannend: als technisches Experimentierfeld und als praktischer Baustein für den Notfunk- und Katastrophenschutzgedanken.
Wer Lust hat, selbst einzusteigen oder mit mir Reichweitentests rund um Itzehoe zu machen – gerne ansprechen!
