Während klassischer Amateurfunk oft auf Punkt-zu-Punkt-Verbindungen oder zentrale Relaisstationen setzt, revolutioniert das Mesh-Networking die Art und Weise, wie wir über digitale Infrastruktur nachdenken. Besonders im Fokus steht dabei AREDN (Amateur Radio Emergency Data Network), das sich als „Rückgrat“ für moderne Notfunk-Konzepte etabliert hat.
Was ist Mesh-Radio eigentlich?
Im Gegensatz zu einem Stern-Netzwerk (wie deinem WLAN zu Hause) ist ein Mesh-Netzwerk dezentral. Jeder Teilnehmer (Node) fungiert gleichzeitig als Sender, Empfänger und Router.
Das Netz ist „selbstheilend“: Fällt ein Knoten aus, suchen sich die Datenpakete automatisch einen alternativen Weg über andere Nodes. Dies schafft eine Ausfallsicherheit, die herkömmliche Infrastrukturen kaum bieten können.
AREDN: Das Hochgeschwindigkeits-Netz für den Ernstfall
Wie das Portal Notfunk-Deutschland.de betont, ist AREDN weit mehr als nur Spielerei. Es ist ein IP-basiertes Datenfunknetz, das speziell entwickelt wurde, um lizenzierte Funkamateure in die Lage zu versetzen, autarke Hochgeschwindigkeits-Verbindungen aufzubauen – unabhängig von Internet und Mobilfunk.
Die Technik dahinter:
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Hardware: Es wird handelsübliche WLAN-Hardware (z. B. von Ubiquiti, MikroTik oder TP-Link) verwendet.
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Firmware: Die Original-Software wird durch eine spezielle Open-Source-Firmware ersetzt, die den Betrieb auf Amateurfunkfrequenzen (900 MHz, 2,4 GHz, 3,4 GHz und 5,8 GHz) ermöglicht.
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Leistung: Je nach Standard (WiFi 4/5) sind Brutto-Datenraten von bis zu 450 Mbit/s möglich.
Praxis-Einsatz: Was läuft über das Mesh?
Wenn „nichts mehr geht“, bietet AREDN eine vertraute IP-Umgebung für Hilfskräfte und Behörden. Laut Notfunk-Experten sind folgende Anwendungen zentral:
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VoIP-Telefonie: Aufbau eines lokalen Telefonnetzes (Leitungsersatz) zwischen verschiedenen Einsatzabschnitten.
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E-Mail & Winlink: Versand von Nachrichten und Dokumenten über große Distanzen, auch mit Anbindung an das Hamnet.
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Video-Streaming: Livebilder von Drohnen oder Überwachungskameras direkt in den Krisenstab.
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Lagedienste: Bereitstellung von Karten (z. B. OpenStreetMap) und Web-Formularen für Schadensmeldungen im lokalen Browser.
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Info-Server: Zentrale Datenablage und Infodisplays für Helfer und die Bevölkerung (z. B. Standorte von Verpflegungsausgaben).
Meshtastic: Die kompakte Alternative
Neben dem breitbandigen AREDN gibt es für Funkamateure mit Meshtastic eine weitere spannende Spielwiese. Auf Basis der LoRa-Technologie (Long Range) liegt der Fokus hier auf minimalem Stromverbrauch und extremer Reichweite für Textnachrichten und GPS-Positionen. Während AREDN für den „großen Datendurchsatz“ steht, ist Meshtastic das „digitale Schweizer Taschenmesser“ für den Rucksack.
Rechtlicher Rahmen & Einstieg
In Deutschland ist der Betrieb von AREDN auf den Amateurfunkbändern exklusiv für Inhaber einer Zulassung zur Teilnahme am Amateurfunkdienst (Klasse E oder A) gestattet.
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Klasse E: Darf beispielsweise im 13cm-Band (2,4 GHz) mit bis zu 5W PEP senden.
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Klasse A: Kann bis zu 75W PEP nutzen (wobei im Mesh-Bereich meist geringere Leistungen für die Sichtverbindungen ausreichen).