Der DARC beklagt seit Jahren Mitgliederschwund und Überalterung und wirbt gleichzeitig händeringend um Funktionsträger. Wie ernst es der Bundesvorstand mit dieser Sorge tatsächlich meint, zeigt ein aktuelles Beispiel aus der Praxis.
Im Juli 2022 hat der Vorstand beschlossen, die Verwaltungssoftware Netxp-Verein für alle Ortsverbände verbindlich einzuführen. Das Problem: Netxp-Verein läuft praktisch nur unter Windows. Wer als Vorstandsmitglied eines Ortsverbands – wie viele von uns – privat mit macOS oder Linux arbeitet, hat zwei Optionen: rund 5 Euro im Monat für eine Browser-Zusatzlizenz beim Softwarehersteller und zusätzlich eine Einrichtungsgebühr zahlen, oder sich einen gebrauchten Windows-Rechner anschaffen. Beides zahlt nicht der DARC. Beides zahlt der Ortsverband, oder das Funktionsträger-Mitglied aus eigener Tasche. So zumindest die Vorstellung des Bundesvorstandes des DARC’s.
Zur Einordnung: Ein Ortsverband müsste im Zweifel einen kompletten Rechner anschaffen und vorhalten – für nichts anderes als die Ausführung einer einzigen, vom Bundesvorstand vorgeschriebenen Software. Kein anderer Nutzen, keine andere Verwendung. Nur damit ein Ehrenamtlicher eine Pflicht erfüllen kann, die der Verband selbst geschaffen hat.
Auf Nachfrage beim Vorstand kam die Antwort, der DARC habe „keinen Einfluss“ auf das Lizenzmodell des Herstellers und könne die Kosten „aus Gründen der Wirtschaftlichkeit“ nicht übernehmen. Das mag für die Bundesebene wirtschaftlich sein. Für die Ortsverbände, die ohnehin mit knappen Mitteln und schwindenden Mitgliederzahlen kämpfen, ist es das genaue Gegenteil: ein handfester zusätzlicher Kostenpunkt, entstanden durch eine Entscheidung, an der wir nicht beteiligt waren.
Wer allen Ernstes glaubt, mit dieser Art von Verwaltung lasse sich der nächste Generation von Funkamateuren die Vorstandsarbeit schmackhaft machen, hat das eigentliche Problem des Verbands offenbar noch nicht verstanden. Digitale Barrieren, die man mit ein bisschen mehr Weitblick bei der Softwareauswahl hätte vermeiden können, sind das Letzte, was der DARC sich derzeit leisten kann.
Wir bleiben an dem Thema dran – und würden uns freuen, wenn sich weitere Ortsverbände und Distrikte dazu äußern.
73, Thomas Dreymann, DL8LTD, stellv. Vorsitzender OV M05 Itzehoe