Unser eigener DX-Cluster: schaut mal rein und testet mit

Wer auf Kurzwelle DX machen möchte, schaut früher oder später in einen DX-Cluster. Dort melden Funkamateure aus aller Welt, welche Stationen sie gerade auf welcher Frequenz hören. Das ist praktisch, hat aber einen Haken: Nur weil ein Kollege in Spanien oder Polen eine Station in Australien hört, heißt das noch lange nicht, dass man sie selbst hier z.B. in Schleswig-Holstein auch arbeiten kann. Genau an dieser Stelle setzt unser neuer DX-Cluster an, den ich in den letzten Wochen für den OV gebaut habe.

Zu finden ist er unter https://DK0IZ.de/dxc/ oder im Menü unter Amateurfunk und DX-Cluster.

Was ist anders als bei anderen Clustern?

Die Seite zeigt nicht nur die Spots, sondern schätzt für jeden einzelnen Spot ab, wie gut die Chancen stehen, die Station von deinem eigenen Standort aus zu erreichen. Dazu gibst du einmal deinen Locator und deine Stationsausstattung an. Zur Auswahl stehen QRP bis 10 Watt, 100 Watt an Draht oder Vertikal, 100 Watt an einem Beam sowie Endstufe mit Beam. Wer seinen Locator gerade nicht im Kopf hat, kann ihn sich auch aus dem aktuellen Standort ermitteln lassen.

Die Angaben bleiben in deinem Browser gespeichert. Für die Berechnung gehen nur Locator und Stationsart an den Server, dein Rufzeichen nicht.

Was die Seite anzeigt

Oben stehen die aktuellen Ausbreitungswerte: Solarflux, K-Index und die höchste nutzbare Frequenz an deinem Standort. Darunter folgt eine Leiste mit allen Bändern von 160 m bis 2 m. Dort sieht man auf einen Blick, wie viele Spots es gerade pro Band gibt und ob das Band von deinem Standort aus offen ist. Ein grüner Balken bedeutet offen, gelb heißt grenzwertig, und grau heißt, dass im Moment eher nichts geht. Ein Klick auf ein Band zeigt die passenden Spots.

In der Liste selbst stehen zu jedem Spot die Frequenz, die Betriebsart, das DX-Rufzeichen mit Land und Kontinent, die Entfernung und die Richtung, in die man die Antenne drehen müsste. Dazu kommt die Chance in Form einer kleinen Signalanzeige, von „Kaum“ bis „Gut“. Bei jedem Spotter steht außerdem, wie weit er von dir entfernt ist. So kann man gut einschätzen, ob der Spot aus der Nachbarschaft kommt oder vom anderen Ende Europas. Besondere Aktivitäten wie DXpeditionen werden eigens gekennzeichnet.

Filtern lässt sich nach Betriebsart (CW, SSB oder Digital), nach Kontinent und nach Rufzeichen. Mit dem Häkchen „Nur erreichbare“ blendet man alles aus, was von hier aus ohnehin keine Aussicht hat. Wer gerne Parks, Berge oder andere Referenzen jagt, kann sich mit „POTA, SOTA, WWFF“ nur diese Aktivierungen anzeigen lassen. Die Liste zeigt die Spots der letzten 30 Minuten und aktualisiert sich von selbst. Wer in Ruhe lesen möchte, kann die Aktualisierung pausieren.

Wie die Chance berechnet wird

Die Seite beantwortet für jeden Spot zwei Fragen. Die erste ist, ob der Weg zwischen dir und der DX-Station überhaupt offen ist. Dafür wird die höchste nutzbare Frequenz entlang des Weges bestimmt, und zwar aus Messwerten von Ionosonden oder, wo es keine gibt, geschätzt aus dem Solarflux. Hat eine Station in deiner Nähe den DX in den letzten zehn Minuten gehört, gilt der Weg ebenfalls als offen.

Die zweite Frage ist, ob dein Signal reicht. Dafür wird eine einfache Streckenbilanz gerechnet, aus Entfernung, Anzahl der Sprünge, Dämpfung bei Tageslicht und typischem Störpegel. Die Betriebsart und deine Station fließen mit ein. FT8 kommt also mit deutlich weniger aus als SSB. Ein unruhiges Erdmagnetfeld senkt die Bewertung, vor allem auf Wegen über die Polarregion.

Das Ganze ist natürlich eine Abschätzung und keine Garantie. Den Störpegel bei dir vor Ort, das Pile-up auf der Frequenz und die Ohren der Gegenstation kennt die Seite nicht. Als Hilfe bei der Entscheidung, ob man mal eben das Funkgerät einschaltet, funktioniert es aber schon erstaunlich gut.

Woher die Daten kommen

Die Spots stammen von Spothole und DX Summit, die Rufzeichen- und Länderdaten von HamQTH und country-files.com. Die Ionosondendaten liefert KC2G, die Sonnen- und Geomagnetikwerte kommen von N0NBH und NOAA SWPC. Allen Betreibern an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön dafür, dass sie ihre Daten frei zur Verfügung stellen.

Jetzt seid ihr dran

Der Cluster ist noch jung, und sicher gibt es Ecken, die noch nicht rund laufen. Deshalb meine Bitte: Probiert ihn aus, am Rechner genauso wie auf dem Handy, tragt euren Locator ein und schaut, ob die Einschätzungen zu dem passen, was ihr tatsächlich hört. Wenn euch etwas auffällt, eine Station als „Gut“ angezeigt wird, die ihr beim besten Willen nicht aufnehmen könnt, oder ihr eine Idee für eine zusätzliche Funktion habt, dann meldet euch gerne. Das geht über das Kontaktformular hier auf der Seite oder einfach beim nächsten OV-Abend.

Ich bin gespannt auf eure Rückmeldungen.